Die Misere der Potsdamer Wohnungssituation

Zum letzten Quartal 2011 erhielten die alternativen Haus- und Wohnprojekte Zeppelinstraße 25/26, Elfleinstraße, Paste, Friedrich-Engels-Straße die ihre Häuser GEWOBA gepachtet haben eine Erhöhung des Pachtzinses um bis zu 16%. In dieser Mieterhöhung schlägt sich dass steigende Mietniveau in Potsdam nieder, denn an dieses wurden die Pachten jetzt angepasst.

Diese Projekte wurden in der Mehrzahl als Ausweichobjekte für ehemals besetzte Häuser in Potsdam geschaffen. Sie hatten und haben zum Ziel, Platz für gemeinschaftliches Zusammenleben und kulturelle Angebote zu schaffen, die für alle bezahlbar sind. Dieser Anspruch stellt die dort Wohnenden heute schon vor große Herausforderungen, da die Projekte mit umfangreichen und kostenintensiven Sanierungsauflagen belegt sind. Durch die aktuellen zusätzlichen Pachterhöhungen werden sie jetzt in ihrer Existenz bedroht.

Diese Existenzbedrohung steht symptomatisch für die Potsdamer Wohnungspolitik. Systematisch verkauft die Stadt Potsdam kommunale Liegenschaften, auf denen noch preiswertes Wohnen möglich ist, mit dem Ziel diese in teure Wohngegenden umzuwandeln, in denen sich die jetzigen BewohnerInnen das Wohnen nicht mehr leisten können (z.B. Hermannswerder).

Während den Bewohnerinnen der Wagenburg die Möglichkeit verweigert wird, das Grundstück zu einem angemessenen Preis zu pachten, wird kommunaler Wohnraum mit dem Verkauf an Semmelhaack zu Vorzugspreisen privatisiert.

Die Potsdamer Wohnungspolitik kennt viele derartige Skandale. Der größte Skandal ist jedoch die Wohnsituation in Potsdam selbst. In dieser Stadt, die sich den Wiederaufbau von Schlössern und Kirchen und die Verwandlung der Stadt in einen preußischen Themenpark leistet, finden immer mehr Menschen keine adäquate Wohnung. Ob es z.B. Studierende sind, die in Potsdam kaum eine Chance haben,eine Wohnung zu finden, ob es junge Familien am Stern und in der Waldstadt sind, die einen immer größeren Teil ihres Einkommens für die Miete aufwenden müssen,ob ältere Menschen, die aus ihren Wohnungen in Babelsberg und Potsdam Westvertrieben werden, weil sie sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten können– das Gefühl der Existenzbedrohung durch steigende Mieten kennen viele in dieser Stadt.

Wir sind jetzt da angekommen, wo vor uns schon viele waren: wir können und wollen diese Wohnungspolitik nicht mehr hinnehmen. Wir werden nicht einen immer größeren Teil unserer Lebenszeit opfern, nur um ein Dach über den Kopf zu haben. Uns ist klar, dass wir nicht alleine die Stadt Potsdam zwingen können, allen ihren BewohnerInnen ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen. Trotzdem ist genau dies unser Ziel: eine Stadt, in der alle wohnen können, in der eine Wohnung eine Wohnung ist und keine Ware.

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