Wohnungsnot konnte trotz 1900 neuer Quartiere nicht gelindert werden

Potsdam – Es ist eine Attacke aus Verzweiflung: Das Förderprogramm für Wohnungsneubau sei 2011 „still und heimlich ausgesetzt“ worden, kritisierte der Baubeigeordnete Matthias Klipp gestern das Land. Aus Geldmangel sehe es für 2012 nicht besser aus, sagte er. Offenbar würden die Mieterprobleme Potsdams „nach wie vor nicht ernst genommen“, monierte Klipp.

Anlass war die neuerliche Schreckensbilanz im Wohnungsmarktbericht der Landeshauptstadt. Tenor: Es gibt gar keinen Wohnungsmarkt. Obwohl im vergangenen Jahr 1900 neue Quartiere entstanden, liegt die Leerstandsquote bei nur 1,4 Prozent. Hauptgrund: Erstmals waren 2010 per Saldo mehr als 2000 Zuzüge in die Landeshauptstadt registriert worden. „Das Land muss erkennen, dass Potsdam kein Luxusproblem hat“, monierte Klipp. „Ein angespannter Wohnungsmarkt ist genau so problematisch wie einer mit 30 Prozent Leerstand.“

Tatsächlich trifft es vor allem die sozial Schwachen, dass der Angebotsmangel und die hohen Baukosten die Mieten in die Höhe treiben. Von mehr als 3000 Inhabern eines Wohnberechtigungsscheins konnten im vergangenen Jahr mehr als 1000 nicht versorgt werden. Frei finanzierter Wohnungsneubau – ohne Förderung also – löse das Problem nicht, weil man in Potsdam nur noch mit Kostenmieten von acht Euro netto kalt bauen könne, sagte die Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger. Die Angemesssenheitsgrenze, bis zu der die Miete für Hartz-IV-Empfänger übernommen werde, liege aber bei 5,50 Euro.

Quelle: MAZ

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