Erklärung zum Projekt  „Potsdam 22 – In Potsdam wohnen 2022“

Am 3. März startete mit der Inbetriebnahme der Internetseite Potsdam22.de das von der Stadt ins Leben gerufene Projekt, durch ein Expertengremium ermitteln zu lassen, wie in Potsdam bezahlbarer Wohnraum gesichert werden kann.
 
Dass dieses Projekt zur Lösung der Potsdamer Wohnungsnot genauso viel oder wenig beitragen wird, wie sämtliche Workshops, Gesprächsrunden etc. der Stadtverwaltung bisher ist jetzt schon absehbar.
 
Denn bei dem Projekt Potsdam22 geht es  vorrangig darum, das bestehende Elend des Potsdamer Wohnungsmarktes schönzureden und den sich zuspitzenden sozialen Konflikt in dieser Stadt totzuquatschen. Dies macht sich schon in den Fragestellungen deutlich, über die die Potsdamer_Innen im Forum von Potsdam22.de, dem Kernbestandteil des Projektes, diskutieren dürfen.
 
Da wird gefragt, was darf ein Kinderzimmer kosten, wie viel Wohnraum braucht eine Familie etc. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass die Empfehlung der Expertenkommission in Auswertung von Spruchweisheiten wie „Geduldiger Schafe gehen viele in einen Stall“ und „Platz ist in der kleinsten Hütte“ am Ende lauten wird, dass sich die Leute einfach etwas mehr bescheiden sollen, dann gäbe es auch kein Wohnungsproblem.
 
Perfide ist die Frage „Alleinstehende Rentner in Vier-Raum-Wohnung auf dem Kiewitt, dreiköpfige Familie in drei Zimmern in Drewitz. Ist das gerecht?“ Hier werden Rentner und Familien, also zwei Gruppen, die gleichermaßen von der Potsdamer Wohnungsnot geplagt sind, gegeneinander in Stellung gebracht. Anstatt das extreme soziale Gefälle in dieser Stadt zu thematisieren, sollen hier wohl die ärmeren Bevölkerungsteile gegeneinander aufgehetzt werden.
 
Das Potsdam22.de dazu dient, die Potsdamer Mieter_Innen mit dem Verweis auf das Expertengremium ruhig zustellen und nicht dazu, ihnen zu helfen ihre Interessen selbst zu vertreten, wird auch an anderer Stelle offensichtlich. So finden sich in der „Bibliothek“ kaum Materialien, die geeignet sind, von Mieterhöhungen und Vermieterterror betroffenen Mieter_Innen Ratschläge zu bieten. Gerade die in Potsdam besonders relevante Kategorie „Mieterschutz“ ist mit nur einer Broschüre die am schwächsten bestückte der Bibliothek.
 
Wir sagen, das ist Verarsche, da machen wir nicht mit. Wir lassen uns nicht vereinnahmen, Potsdam22.de mag auf unsere Internetseite verlinken, das heißt aber nicht, das wir damit etwas zu tun haben oder gar zu tun haben wollen.
 
Wir setzen stattdessen auf die Organisierung, den Zusammenschluss und den gemeinsamen Widerstand aller von Mieterhöhungen und Verdrängung Betroffenen. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt, dass nur der Widerstand der Potsdamer Mieter_Innen dafür sorgt, dass ihr Interesse an der Befriedigung des Grundbedürnisses nach Wohnraum nicht komplett der kapitalistischen Verwertungslogik geopfert wird.

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