Gewoba-Block am Findling soll verkauft werden?

Der Wohnblock am Findling (in Potsdam) bietet Menschen kleine Wohnungen zu moderaten Preisen – das was Potsdam fehlt. Erst jüngst hat der Oberbürgermeister den neuen Studierenden der Fachhochschule Potsdam im Hans-Otto-Theater in Bezug auf die steigenden Mieten und die Wohnungsproblematik verkündet:

„Ich würde Sie ja gerne einladen, in Potsdam eine Wohnung zu nehmen, aber das wird mittlerweile selbst für Professoren schwierig“

Soll jetzt einer der letzten preiswerten und städtischen Wohnräume veräußert werden? Die Stadt und ihre städtische Wohnungsverwaltungsgesellschaft Gewoba würden damit ausschließlich einer betriebswirtschaftlichen und gewinnorientierten Logik folgen und einmal mehr ihre sozialen und politischen Aufgaben vernachlässigen, die Versorgung der Potsdamer Bürger_Innen mit adäquatem Wohnraum. Dabei heißt es auf ihrer Internetseite doch so schön: „Die GEWOBA hat für jeden die passende Wohnung“.

In der vergangen Aufsichtsratssitzung der Gewoba stand unter anderem die weitere Zukunft der Heidesiedlung bzw. des unsanierten Wohnblocks am Findling auf der Tagesordnung. Kurz vor dem Treffen wurde dem Aufsichtsrat ein offener Brief der Bewohner_Innen übergeben, in denen sie ihre Ängste zum Verlust der Wohnungen mitteilten. Gebracht hat das Ganze nichts, denn der Aufsichtsrat der Gewoba will den Block am Findling verkaufen. Nicht zum ersten Mal soll kommunaler Wohnungsbestand an private Investoren verkauft werden. Begründet hat dies der Aufsichtsrat mit den zu erwartenden hohen Sanierungskosten. Wenn der Block am Findling verkauft wird, dann soll von potentiellen Käufern keine Mietbindung verlangt werden. Dies wiederum heißt, dass sich die Bewohner_Innen die zukünftige Miete nicht mehr leisten können. Auch wenn die Gewoba Ausweichwohnungen anbietet, so heißt dies faktisch die Verdrängung in die Potsdamer Neubaugebiete und die Vernichtung von städtischem Eigentum.

Dass die Stadt mit ihrer Wohnungsverwaltungsgesellschaft Gewoba profitorientiert wirtschaftet ist nicht neu, denn immer wieder werden kommunale Bestände veräußert, um zum Beispiel die Haushaltskassen der Stadt aufzubessern. Die soziale Wohnungspolitik gerät dabei aus dem Blickfeld, mit dem Verkauf von kommunalem Wohnraum werden auch die letzten Chancen der Stadt verspielt, Einfluss auf die soziale Wohnungspolitik auszuüben. So führt der Rückzug der Stadt aus der Stadterneuerung und der Wohnungspolitik dazu, dass die Schutzmechanismen der Mieter_Innen aufgegeben werden. Eigentumsverhältnisse und die Verwertbarkeit von Wohnraum entscheiden somit über die Miethöhe und die Sozialstrukturen im städtischen Raum. Die Privatisierung und Reduzierung des preiswerten Wohnraums führt zu einer angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt und zu einer zunehmenden Verarmung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Mit den hohen Mietbelastungen droht die Abhängigkeit von sozialen Leistungen, die Verdrängung in andere Wohnviertel/Städte oder gar die Wohnungslosigkeit. Der Arbeitskreis „Recht auf Stadt“ unterstützt deshalb die Bestrebungen der Organisierung von MieterInnen in ihren Quartieren, wie es aktuell am Findling der Fall ist.

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